Trip in den Norden

Wie geplant sind Mareike und ich am Samstag, den 22. in den Norden gereist.
Wir sind am Morgen zur Busstation gefahren und mussten dort erst einmal 3 Std. warten, bis wir die Tickets kaufen konnten. Nach einer weiteren Std., als wir im Bus saßen, ging es dann endlich los.
Unser erster Halt hieß Tamale.
Nach ziemlich genau 8 Std. Busfahrt sind wir dort am Abend angekommen. Da es in Ghana immer gegen 18:00Uhr dunkel wird, konnten wir von der ländlichen Veränderung noch nicht viel wahrnehmen.
In Tamale hieß es dann schnellstmöglich ein Hotel finden und ins Bett, da die Reise doch ziemlich anstrengend war.
Am nächsten Morgen sind wir dann wieder früh hoch und haben uns in das noch nördlicher gelegene Bolgatanga aufgemacht.
Ohne längere Wartezeiten fuhr der Bus direkt ab. Nach ca. 3 Std., gegen 13:00Uhr, sind wir dort angekommen. Auch dort haben wir erst einmal ein Hotel bezogen und unsere Sachen abgeladen.
Danach haben wir uns Roller für den nächsten Tag gemietet und die Stadt angeguckt.
Das besondere an diesem Tag war, dass wir das erste mal die Landschaft bestaunen konnten.
Diese sieht komplett anders aus, im Vergleich zu der im südlicheren Teil Ghanas. So sieht man keine hohen Bäume, sondern eher Strauchähnliche Gewächse und Gras. Durch die Trockenzeit war die Landschaft überwiegend braun und die Gräser eher gelblich. Die häufigsten und größten Bäume im Norden sind die Baobabs.
Diese waren sogar vereinzelt in der Innenstadt Bolgatangas zu sehen.
Durch diese sind wir die meiste Zeit des Tages gelaufen, bevor es ins Hotel ging. Dort haben wir noch etwas gegessen und zwei Studenten aus Kalifornien kennengelernt. Diese leben für ein Jahr in Ghana und absolvieren ein Auslandssemester an der Universität in Accra.
Der nächste morgen startete dann gegen 7:00Uhr auf den Rollern.
Gestartet sind wir direkt Richtung Paga. Unser erster Stopp war bei einem der Krokodil-Seen.
In diesem leben ca. 200 zahme und geschützte Krokodile.
Nach einem Eintrittsgeld, ging es mit einem Guide und einem Huhn zum See.
Dort hat einer der Guides direkt ein Krokodil aus dem Wasser gezogen, sodass Fotos mit diesem gemacht werden konnten. Direkt im Anschluss wurde das Huhn an eines der Krokodile verfüttert.
Die Tour war dann nach ca. 15min. vorbei. Ich war recht enttäuscht und hatte mir mehr von dem Platz erhofft. So haben die Guides nicht eine Information über die Krokodile oder die Entstehung solch eines Sees, indem die Krokodile heilig sind, herausgegeben.
Enttäuscht ging es dann weiter zum nahegelegenen Sklaven Camp.
Zu dem Camp, ein felsiger Platz, wurden ab 1704 Sklaven aus Westafrika, von drei Sklavenhändlern aus der Elfenbeinküste, Ghana und Burkina Faso geführt. Zur Erkennung hatte jeder Händler sein eigenes Symbol, dass auf die Haut der Sklaven gebrannt wurde.
Die Führung startete beim Felsen, auf dem gegessen wurde. In diesen waren ca. 12 Kuhlen hinein geschliffen, diese wurden von den Sklaven als Schüsseln benutzt. Essen war für die Sklaven knapp und nicht selten kam es vor, dass bei der Essensausteilung einer starb, da so heftig ums Essen gekämpft wurde.
Direkt an dem Essensplatz war der Unterhaltungsplatz angeschlossen. Auf diesem standen zwei große Gesteinsbrocken, die als Trommeln benutzt wurden, während unten die anderen Sklaven tanzen durften. Solch ein Unterhaltungsabend fand ca. einmal die Woche statt, vor allem um die Sklaven wieder für die Arbeit zu motivieren.
Weiter führte uns Aaron, der Guide, zum Marktplatz. Hier wurden die Sklaven damals angeboten und gegen Lebensmittel wie Salz und Gewürze getauscht.
Hier stand ebenfalls einer der Steine, die zur Bestrafung der Sklaven benutzt wurden. Auf diesem musste sich der Sklave mit dem Bauch legen und wurde ausgepeitscht, während viele der anderen Sklaven zuschauen mussten, da sie so abgeschreckt wurden.
Der letzte Platz war der Friedhof. Sklaven, die in diesem Camp gestorben sind, wurde hier in Löcher geworfen. Weiterhin stand hier noch ein Stein zur Bestrafung, auf der eine besonders ekelhafte Methode angewandt wurde. Sitzend wurde der Sklave auf diesen Stein gefesselt und musste für eine unbestimmte Zeit, mit offenen Augen in die Sonne gucken.
Das Camp wurde 1849 geschlossen und von den Einheimischen verwüstet, da nichts mehr an diese Zeit erinnern sollte. Zudem sollte dieser Platz unbrauchbar für weitere solcher Aktionen werden.
Die Führung war in jedem Fall interessant und ergreifend. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass sich Aaron in die Zeit zurückversetzt hat, da er selbst recht ergriffen wirkte. Er kannte viele Erzählungen von seinem Großvater aus dieser Zeit, da der wiederum Menschen kannte, die die Sklaverei miterlebt haben.
Nach diesem Platz sind wir weiter durch die Landschaft gefahren und zu einem kleinen Dorf am Rand gestoßen. Hier waren die Bewohner total offen und freundlich. Sie haben uns bspw. die traditionellen Häuser und einen nahegelegenen Garten gezeigt. Hier wurden Dinge wie Pfeffer, Chili, Erdnüsse und grüne Paprika groß angebaut. Durch ein altes Bewässerungssystem können die Sachen auf dem normalerweise ausgetrockneten Land wachsen. Der anliegende See spielt dafür eine große Rolle. So wird von diesem Wasser abgezweigt, dass dann durch kleine Kanäle und Gräben zwischen den Gewächsen fließt.
Nach einer Weile haben wir uns dann von diesem Dorf aus in Richtung einer Werkstatt für Korbwebereien aufgemacht. Hier haben wir dann auch das erstmal sehen können, wo die vielen gleichen und selbstgemachten Souvenirs aus den Läden herkommen.
Am späten Nachmittag sind wir dann den Rückweg angetreten. Als wir um 17.30Uhr die Roller abgegeben haben, ging es ziemlich müde und kaputt ins Hotel, wo es für mich nur noch ausruhen hieß.
Der Dienstag stand dann ganz im Zeichen ‚Reise zum Mole National-Park‘. So haben wir uns früh morgens auf den Weg nach Tamale gemacht, wo wir gegen 11:30Uhr angekommen sind.
Leider war der direkt Bus zum Park ausgebucht und es gab keine direkte Verbindung mehr. Also haben wir uns für die längere Variante entschieden und ein Tro-Tro zu dem vorletzten Dorf vor dem National-Park genommen.
Schon beim Einsteig in dieses Tro-Tro umgab uns ein komisches Gefühl, da es noch heruntergekommener aussah, als all die anderen Tro-Tros mit den wir bis zu dem Zeitpunkt gefahren sind. Aus Spaß haben wir dann Wetten abgeschlossen.
Ich: Tro-Tro bleibt nach 2 Std. für 2 Std. liegen und wir können normal bis ans Ziel weiterfahren
Mareike: Tro-Tro bleibt nach 3 Std. mit Totalschaden liegen und wir können damit nicht weiterfahren.
Tatsächlich blieb das Tro-Tro nach 2 Std. mit Schaden liegen. Es war in einer komplett abgelegenen Gegend, bis zum nächsten Dorf hätte es zu Fuß ca. 3 Std. gebraucht.
Nach ca. 1 Std. konnten wir dann wieder einsteigen, da wir dachten der Schaden sei behoben.
Nach ziemlich genau 10 Sek. Fahrt ist es dann wieder liegengeblieben. Nach kurzer Beobachtung des Fahrzeuges, konnten wir damit nicht weiterfahren. Somit hieß es nun hoffen, dass ein Fahrzeug vorbei kommt, dass uns mitnimmt.
Nach Stunden des Wartens und im Gebüsch herum Laufens, um Zeit zu vertreiben, kam tatsächlich ein Tro-Tro vorbei, dass uns noch mitnehmen konnte. Am Abend im Dorf angekommen hatten wir jedoch wieder Glück, da dort ein Bus halt gemacht hat, der in den Park fuhr.
Dieser war günstig, leer und komfortabel. Im diesem Bus haben wir dann auch die beiden aus Kalifornien zufällig wiedergetroffen. Diese haben uns dann auch gesagt, dass der Bus ein Sonderbus aus Tamale ist, der am Nachmittag abgefahren ist. Jedoch war ich zu dem Zeitpunkt zu glücklich fast am Ziel zu sein, dass ich mich darüber keineswegs geärgert habe.
Nach der 30min. Fahrt sind wir endlich im Hotel des mit ca. 4.100 km² größten National-Parks Ghanas angekommen. Übermüdet und erleichtert, ging es für mich dann ins Bett.
Der Mittwoch morgen wurde mit einer 2 stündigen Tour durch den Park eingeleitet.
Schon hier war ich begeistert, so haben wir Warzenschweine, verschiedene und exotische Vögel und 3 verschiedenen Arten Antilopen sehen können.
Direkt nach der Führung haben wir uns an den Hotel eigenen Pool begeben. Von diesem hat man eine super Aussicht auf zwei Wasserlöcher, an denen die Tiere, besonders in der Trockenzeit, häufig kommen.
Um ca. 11:00Uhr kam dann tatsächlich ein Elefantenbulle an eines der Löcher. So haben wir den Guide angerufen und sind mit diesem runter gegangen, um den Elefanten aus der Nähe beobachten zu können. Das war schon beeindruckend. Dazu kam, dass zu diesem Zeitpunkt die Sonne höher stand und es heißer wurde. Aus diesem Grund konnten wir nun ebenfalls Krokodile in und an den Wasserlöchern sehen.
Nach einer Stunde sind wir dann wieder zum Hotel zurück. Den Tag habe ich dann nur noch damit verbracht auf die Wasserlöcher zu schauen. Nach ungefähr 2 Std., nachdem wir den Elefanten gesehen haben, kam eine Gruppe von ca. 30-40 Pavianen zum Wasserloch. Diese kamen von überall her. Ein Pavianweibchen mit Kind hat sogar den Weg über das Hotelgelände genommen. Zu dem Zeitpunkt waren außerdem Buschböcke direkt beim Hotel zu sehen. Als die Sonne dann langsam unterging konnte man noch eine Gruppe grüne-Meerkatzen beim Baum am Hotel sehen.
Der ganze Tag war echt beeindruckend, zumal am Nachmittag zwei Engländer eintrafen, was wir nicht gewusst haben. Die beiden reisen für 3 Monate durch Ghana und wir haben sie in der Green-Tourtle Lodge kennengelernt.
Am Abend ging es dann für mich früh ins Bett, da es mir nicht gut ging und wir am nächsten morgen um 4:00Uhr den Bus Richtung Wa nehmen wollten.
Der Bus war dann auch pünktlich um 4:00Uhr Abfahrt bereit. Dieser hat uns zu dem zweiten Dorf zurückgebracht. Hier mussten wir 2 Std. warten bis der Bus nach Wa abgefahren ist.
Am Nachmittag sind wir in Wa und weiter in Wechiau angekommen. Hier gibt es ein Hyppo Sanctuary. Das Reservat am Black-Volta wurde 1994 von 17 kleinen Dörfern gegründet, um die Tiere, vor allem die Nilpferde, in der Umgebung zu schützen.
Der Tag war der ruhigste auf der Reise. So sind wir direkt nach Ankunft zum Volta gegangen und haben eine 2-stündige Kanutour mitgemacht, auf der wir die Nilpferde gut beobachten konnten. Der Guide hat viel erzählt und war der erste, der sogar viel über die Vögel hier erzählen konnte.
Danach, als es langsam dunkel wurde, haben wir zusammen mit dem Guide auf Feuer gekocht und im Anschluss gegessen. Außerdem waren die Duschen oben offen, sodass man unter Sternenhimmel duschen konnte. Die ganze Gegend war dunkel bzw. wurde nur vom leichten Mondschein erhellt, da es im Dorf kein Strom gab.
Durch diese gemütliche Atmosphäre und mit dem echt guten und netten Guide ging der Aufenthalt dort zu schnell vorbei.
Am Freitag sind wir dann zurück nach Wa gefahren. Da wir nur die Möglichkeit hatten einen direkt Bus nach Kumasi zu bekommen, mussten wir diesen nehmen. Das Problem war nur, dass wir die Tickets um 13:00Uhr, direkt nach Ankunft an der Station, gekauft haben, der Bus jedoch erst am Abend, nach Verkauf von allen Tickets, abgefahren ist.
Die Zeit war dann recht langweilig und ich habe teilweise jede Minute auf die Uhr geschaut.
Der Bus war dafür neu und gut ausgestattet mit Klimaanlage, Fernseher etc. Eine interessante Sache war dann aber, dass ein Teil des Kofferraums mit Sägemehl ausgelegt wurde und ca. 20 Ziegen eingeladen wurden. Auf der Fahrt hat man diese teilweise sogar schrecklich schreien gehört. Um 2:00Uhr in der Nacht sind wir dann in Kumasi angekommen. Von hier haben wir ein Taxi nach Hause genommen. Hier habe ich geduscht und einige Zeit mit Ruven geredet. Erst nun habe ich auch erfahren, dass Fabian seinen Plan vom Ausziehen verwirklicht hat.
Er wohnt nun mit Kwuakye, ein Mitglied des ‚Deutsch-Ghanaischen Freundeskreises‘ aus Ghana und seiner Frau im Keller des Hauses von Albert, welches sich noch im Bau befindet, um noch näher an der Kultur zu sein und um Twi zu lernen.
Müde, kaputt, aber zufrieden ging es am Abend ins Bett.

Die Reise in den Norden war unfassbar! Ich hätte nicht gedacht doch noch so viele einheimische Tiere in freier Wildbahn sehen zu können.
Ebenfalls zu sehen waren Dinge die man so nicht erwartet hätte. So gab es viel mehr Schweine im moslemisch geprägten Norden. Auch haben die Menschen viel mehr geraucht und das in der Öffentlichkeit, was in unser Region schlecht angesehen ist. Generell war es aber gut zu sehen wie verschiedene Religion nebeneinander praktiziert werden können, ohne, dass es eine Auseinandersetzung gibt.
Am Freitag nach der Schule heißt es für mich dann wieder los nach Cape Coast. Hier werde ich noch einmal Dominik und Patrick besuchen und mir einige Sachen anschauen.
Ab dem 18. Februar werden Mareike und ich dann auch schon aus Denchemuoso verschwinden, da dann zwei neue Freiwillige kommen und bevor es hier zu eng wird, reisen wir lieber noch einmal und lassen die letzten Tage Ghana an der Küste ausklingen.

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